Rolf Pohl: Feindbild Frau
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Tags: spokenspeech

Sexuelle Gewalt ist nahezu ausschließlich männlich. Ihr liegt eine ambivalente bis feindselige Einstellung zu Frauen zugrunde, die zum Kernbestand männlicher Subjektivität in männlich hegemonialen Kulturen gehört. Weiblichkeit wird von Männern unbewusst als Bedrohung erlebt und deshalb abgewehrt. Die typisch männ­liche Gewalt­bereitschaft gegenüber Frauen ent­springt somit einer Mischung aus Angst, Neid, Wut und Hass. Aber immer geht es dabei auch um sexuelle Lust. Sexuelle Gewalt dient somit nicht nur der Angstabwehr und der Wiederherstellung einer beschädigten Männlichkeit, sondern auch der sexuellen Befriedigung des Mannes. Dieser Zusammenhang, der sich vor allem an Vergewaltigungen unter zivilen und unter Kriegsbedingungen nachweisen lässt, wird in der gesamten sexuellen Gewaltdiskussion vernachlässigt oder geleugnet. Hass und Gewaltbereitschaft gegenüber Frauen ist auch als Ergebnis einer Leugnung und Abwehr der männlichen, auf den weiblichen Körper gerichteten Begierde zu verstehen. Die durch Frauen ausgelöste sexuelle Erregung bestätigt die Abhängigkeit des Mannes und entlarvt die im männlichen Autonomiewunsch enthaltene Idee vollkommener Beherrschung und Kontrolle als wahnhafte Illusion. Diesen Zusammenhängen wird der Vortrag aus psychoanalytischer, sozialpsychologischer und geschlechtertheoretischer Perspektive nachgehen.
Prof. Dr. Rolf Pohl ist Wissenschaftler an der Uni Hannover und Koordinator der Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie.

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